Konzertreise nach Eisenach
Nur wenige Wochen vor der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands unternahm die Sängervereinigung 1866 eine Fahrt in die Rhön mit einem geplanten Abstecher in die ehemalige DDR nach Eisenach. Man bezog Quartier in einem Hotel in Hilders, dem eine Fleischerei angeschlossen war, und so bekam man neben einem guten Bier auch etwas richtig Deftiges und Schmackhaftes „auf die Gabel“. Bei fröhlicher Stimmung verschob sich der „Zapfenstreich“ zeitlich weit nach hinten, was häufig der Fall ist, wenn Männer einmal so richtig unter sich sind! Man wusste unsere Sangeskunst zu schätzen und bediente uns reichlich.
Am Morgen des Samstag ging die Fahrt durch den Thüringer Wald Richtung Eisenach, wo wir in der dortigen Georgenkirche den evangelischen Gottesdienst mitgestalten sollten. Die Grenzbeamten waren recht freundlich und lehnten auch unser Geschenk, ein paar Flaschen Bier, nicht ab. Man empfand es als sehr angenehm, dass die Zeit der „Filzerei“ endlich ein Ende gefunden hatte.
Nach dem Gottesdienst ging es mit dem Doppeldecker-Bus, der unter der einheimischen Bevölkerung großes Aufsehen erregte, ins Restaurant „Zum Schwimmbad“. Das Personal war recht lahm und ließ sich auch nicht auf Trab bringen; zu sehr hatte es sich an das „DDR-Tempo“ gewöhnt. Nur wenige von uns hatten das Glück, ein zweites Glas Bier trinken zu dürfen. Das Essen war, schlicht gesagt, unteres Kantinenniveau. Die Mienen des Bedienungspersonals hellten sich bei der Bezahlung jedoch ein wenig auf, da wir in Westmark zahlten und auch noch Trinkgeld hinzufügten. Hätten sie das gewusst, dann wären sie vielleicht etwas flotter und freundlicher gewesen!
Weiter ging`s zur Wartburg. Am Fuße des Berges hatte sich ein „Ossi“ schon einen „Wessi“-Traktorzug zugelegt und fuhr uns gegen eine Gebühr auf westlichem Niveau den Berg hinauf. Zufällig saß auch der Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs mit im Zug. Wir besichtigten die Burg und sahen auch den berühmten Tintenklecks an der Wand, den Martin Luther beim „Kampf mit dem Teufel“ produziert hatte. Im Innenhof gab der Chor noch ein Ständchen für die anwesenden Besucher. Unter ihnen befand sich auch eine ehemalige Schülerin unseres 2. Vorsitzenden Klaus Unteregge, die aus Oberhausen angereist war. Welch ein Zufall!
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