Im Rahmen der Aktion „Kulturelle Begegnungen in Europa“ suchte die Kreisverwaltung Ennepe-Ruhr im Jahre 1964 Partner für einen europäischen Kulturaustausch. Die Sängervereinigung 1866 bewarb sich und ihr wurde der walisische Chor Dunvant Male Choir zugeteilt.
Nach umfangreichen Vorbereitungen und einem ersten Treffen der Chorvorstände in Bonn machte man sich im Oktober 1965 mit recht gemischten Gefühlen auf den Weg, war doch der Zweite Weltkrieg gerade einmal zwanzig Jahre vorüber. Erste Hindernisse taten sich bereits bei der Überquerung des Ärmelkanals auf, denn ein gewaltiger Orkan namens „Betsy“ wütete dort und gestaltete die Überfahrt zu einem Horrortrip. Erst nach elf Stunden erreichte man den englischen Fährhafen Dover und von dort ging es nach London zu einer Stadtrundfahrt Durch die extrem verlängerte Kanalüberfahrt erreichte man Dunvant in Südwales erst in den Abendstunden, wo dem Chor ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Trotz sprachlicher Barrieren (nur drei Sänger konnten sich in englischer Sprache verständigen) verstand man sich von Beginn an recht gut, was wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen war, dass Südwales, ähnlich wie das Ruhrgebiet, von Kohle und Stahl geprägt war.
Als man nach erster verbrachter Nacht am nächsten Morgen zusammenkam, traf alle Sänger ein Schock, denn in der Nacht war Sangesbruder Otto Hartman Senior plötzlich an einer Lungenembolie verstorben. Es war wohltuend, dass der waliser Chor bei der Erledigung der Überführungsformalitäten sehr behilflich war.
In den folgenden Tagen trat die Sängervereinigung 1866 bei zwei Konzerten und im walisischen Fernsehen auf und lernte bei den Ausflügen die schöne Heimat des Gastgebers kennen (Tenby, Cardiff, Gower Peninsula, Mumbles, etc.).
Beim Abschied waren alle zu der Überzeugung gelangt, dass man gute Freunde gewonnen hatte und freute sich schon auf den Gegenbesuch, der zum 100-jährigen Bestehen der Sängervereinigung 1866 im Jahre 1966 erfolgen sollte.
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